Elch (Sir Wodan Signatur)

Sir WodanSir Wodan Beiträge: 949Moderator
bearbeitet 24.11.2017 in Kreatives & Spiele

Nach jedem letzten Herbstwinde, vorm ersten Kältestorm, weiße Pracht und Wintersbeginn mitbringend, beginnet diese Geschicht'. Denn zu dieser Zeit in tiefen Dunkelstunden, auf Land und in Burg, ein lautloser Moment, Stille des Kälteeinzugs, rieselt Schnee von der schwarzen Himmelsdecke. Es folgt ein eiskalter Zug, der Dächer, Mauern, Straßen gefrieren lässt, Wachen und Ritter zu Feuerquellen zwingt, Tiere beisammen hortet. Eine friedliche, doch frostklirrende Nacht bricht heran, mit ihr der Winter beginnend im Königreich. Der Schnee nimmt Platz am Boden ein, verdrängt nassen Boden, restgrüne Wiesen, verfallenes Laub und durch Krieg gezeichnete Landschaften. Schon am Morgen wird ein neuer Boden das Land schmücken.

Die ersten Sonnenstrahlen, in aller Hergottsfrühe, erst auf die weiße Pracht, Tannen, dann Burgmauer und letztendlich Bergfried und Häuser fallend, lässt Tag und Volk erwachen. Nicht nur Fackeln beleuchten nun die prachtvolle Burg, auch kleine Strahlen der Wintersonne, hell genug, Arbeit nun verrichten zu können, doch den Horizont noch nicht überwunden. In diesen frühen Morgenstunden kommt ein Elch Jahr für Jahr gen Burg herbei und lässt sich im nahen Walde nieder. Nur Tage müssen vergehen und man erblickt es innerhalb der Burgmauern, nachts. Jener Elch ist Zeichen des Königs. Jedes Winterjahr, wenn der Elch im nahen Walde lebt, bracht's dem Königreich Glück. Keine Belagerungen oder Plünderungen traten in diesen kalten Monaten ein, die Vorräte reichten bis zum Frühsommersbeginn, es ging dem Volke gut, dem Lande. Ein Nutznießer ist er. Er lebt hier geschützt, in den Burgmauern vom Bauernvolke ernährt, versorgt, im Wald von Jägern verschont. Für das Königshaus ein Zeichen eines guten Winters.

Doch nicht seit Anbeginn war dieser Elche da und Zeichen des friedlichen Winterspiels. Vor seiner ersten Ankunft herrschten erbitternde Belagerungen zu Winterszeiten, aussichtslose Zeiten für die Feste, für die Burg. Einmal stand für das Königreich alles auf dem Spiel, seine Existenz in diesem Lande. Die Lage schien aussichtslos. Eine nächtliche Hilfe, man weiß nicht wer, brach die Belagerung zum Ende, besiegte den Feind. Geschichten der Bauern natürlich sind, es habe der Elch geschafft, in jener schläfrigen Nacht den Feind zur Strecke zu bringen. Dieser Elch kam nach Tagesanbruch aus dem Lager der Belagerer, ein seltsames Sichtbild für das Burgleben, doch die Erlösung einer düsteren Zeit und Freude auf das Ende dieser schmerzenden Belagerung. Man scheuchte Elch in die Stadt, gab ihm Kette übers Geweih und schützte ihn. Mit dieser Kette besuchte er die Burg Jahr für Jahr, jedes Jahr eine Glocke mehr befestigt. Er war und ist Zeichen der heiligen Weihnacht, am Tag der Erlösung, bis heut'. Ein kluges Tier und Beschützer der Burg, ein immer Wiederkehrender - Das kann nur Geschenk Gottes sein... Oder doch jemand anderes?


Ein "Danke!" für diese tollen Zeilen geht an @romerus (DE1)

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